Imshäuser Gespräch

Wir machen aufmerksam auf das Imshäuser Gespräch am 08. März 2013, 19:00 Uhr im Herrenhaus Imshausen:

" ... diese Erde kann nie wieder ein verlässlicher Platz werden" (Zitat von Clarita von Trott zu Solz)

Frauenleben im Widerstand gegen den Nationalsozialismus und unter der Last der Erinnerung, Vortrag und Gespräch
Referentin: Dr. Frauke Geyken, Historikerin und Publizistin (Göttingen)


Jahrzehntelang war nahezu ausschließlich von Männern im Widerstand gegen den Nationalsozialismus die Rede. Inzwischen hat es sich zwar weitgehend durchgesetzt, von den "Männern und Frauen" im Widerstand zu sprechen, dennoch wurden und werden Regimegegnerinnen in der öffentlichen Erinnerung und in der Widerstandsforschung immer noch vor allem als Unterstützerinnen ihrer Ehemänner, Freunde, Väter, Brüder oder Söhne, nicht jedoch als selbständig Handelnde wahrgenommen. So kritisierte selbst Freya von Moltke, Ehefrau einer der geistigen Köpfe des Kreisauer Kreises, bei einer Gedenkveranstaltung in der Berliner St. Matthäus-Kirche am 19. Juli 2004, dass es ihr nach all den Jahren noch immer nicht gelungen sei, als "aktives Mitglied des Widerstandes anerkannt" zu werden.

Viele Frauen "verschwanden" in der Nachkriegszeit hinter dem Bild ihrer Männer. Dabei waren sie auch in der Nachkriegsgesellschaft gleich mehrfach gefordert: Wegen des schwierigen Umgangs der Deutschen mit dem Widerstand in den ersten Nachkriegsjahrzehnten sah man sie oft als Ehefrauen von "Verrätern". Viele erhielten in den ersten Jahren keinerlei staatliche Unterstützung und mussten Wege finden, selbst für ihren Unterhalt und den ihrer Kinder zu sorgen. Nicht wenige engagierten sich stark in der Aufarbeitung der Geschichte des Nationalsozialismus und in der Widerstandsforschung. Andere Frauen wurden deswegen kaum wahrgenommen, weil ihre eigenen Widerstandsaktionen zumeist weniger spektakulär und Aufsehen erregend waren, als die mancher Männer: Häufig waren sie es, die unter großem persönlichen Risiken gefährdete Menschen versteckten, ihnen Lebensmittelkarten, Kleidung, Pässe besorgten und sie sogar vor der Deportation bewahrten. Gerade unter diesen Frauen gab es viele, die auch in der Nachkriegszeit nie über ihr Engagement gesprochen haben.

Was waren es für Frauen, die nicht nur als "Mitwisserinnen" ihre Männer unterstützten, sondern zum Teil auch selbst aktiv gegen das nationalsozialistische Regime tätig wurden? Einige beispielhafte Biographien möchten wir an diesem Abend, dem internationalen Frauentag, stellvertretend für Viele näher beleuchten. Es soll um Clarita von Trott zu Solz, Annedore Leber, Rosemarie Reichwein und Freya von Moltke gehen, wobei sich die Betrachtung nicht nur auf die Widerstandszeit, sondern auf das ganze Leben der Protagonistinnen richten wird.

Dr. phil. Frauke Geyken studierte Geschichte, Skandinavistik und Anglistik an den Universitäten Göttingen und Lund. Frauke Geyken lebt in Göttingen und ist als freiberufliche Historikerin und Publizistin tätig. Sie ist Mitglied der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen. 2011 erschien ihre Biographie Freya von Moltkes unter dem Titel "Ein Jahrhundertleben. 1911-2011 im Münchener C.H. Beck-Verlag. Derzeit arbeitet sie an einem Buch über Frauen im Widerstand, das 2014 erscheinen wird.

Am Sonntag, dem 24.02.2013 referiert sie auf der XXVI. Tagung der "Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944" über das Thema: "Die vergessenen Frauen des Widerstands".

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