Ein weites Herz - Schicksalsjahre einer deutschen Familie

Ostermontag, am 01.04.2013, zeigte das ZDF im Abendprogramm den Film "Ein weites Herz - Schicksalsjahre einer deutschen Familie". Dieser Film beschreibt die Familie und den Lebensweg von Isa Vermehren. Er ist ein Ärgernis für alle, die ihren Weg durch die Konzentrationslager Ravensbrück, Dachau und Buchenwald bis zur Befreiung von der SS durch die Deutsche Wehrmacht und das Erleben des Kriegsendes am Pragser Wildsee kennen.

Diesen Film hat Isa Vermehren nicht verdient. Es ist unglaublich, wie das Machwerk mit historischen Fakten umgeht. Diese sind längstens genau dokumentiert und jederzeit im “Zeitgeschichts-Archiv Pragser Wildsee” in Südtirol abzurufen. Denn in Wahrheit ist Isa Vermehren als Sippenhäftling mit ihren Mitgefangenen im Hochpustertal befreit worden und nicht auf einer Landstraße in Deutschland und noch weniger von amerikanischen Soldaten.

Der Fernsehzuschauer erfuhr auch nichts von dem langen Leidensweg der Vermehren durch die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau und Reichenau, bevor sie von Soldaten der Deutschen Wehrmacht aus der Gewalt der SS erlöst wurde. So ist dem Zuschauer eine spannende Geschichte vorenthalten worden, die der Film selbst nicht bieten konnte.

Es ist zutiefst ärgerlich, wie das ZDF seine Aufgabe wahrnimmt, Einblicke in die deutsche Zeitgeschichte, vor allem in den Nationalsozialismus, zu vermitteln. Denn Isa Vermehren war nicht nur die Tochter einer deutschen Familie, sondern mit anderen Häftlingen im Transport aus dem KZ Dachau nach Südtirol auch eine Geisel in der Hand der SS. Die zumeist prominenten Sippen- und Sonderhäftlinge sollten bei den angestrebten Verhandlungen der SS mit den Westalliierten als Faustpfand dienen.

Doch auch diese Tatsache haben die Zuschauer in dem Film nicht erfahren. Da war es den Filmemachern wohl wichtiger, Bagatellen und lesbisches Liebesgeplänkel (auch unwahr) zum dramatischen Geschehen aufzublasen. Auf solche Informationen kann ich verzichten - und gewiss zahllose Fernsehzuschauer auch!

Hans-Günter Richardi

- Autor des Buches “SS-Geiseln in der Alpenfestung - Die Verschleppung prominenter KZ-Häftlinge aus Deutschland nach Südtirol” -

Obere Moosschwaigestraße 6 d

85221 Dachau

 

 

 

 

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